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Pressemitteilung 12.01.2022
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Wirtschaftsrat: Land soll aktive Wasserstoffaußenpolitik betreiben

Dr. von Boetticher: „Unser Land kann mit Brunsbüttel Hauptumschlag-platz für grüne Energieimporte werden“

Der Landesverband Schleswig-Holstein des Wirtschaftsrates der CDU e.V. warnt angesichts der Gaspreisentwicklung davor, ausschließlich auf die Erzeugung von Wind- und Solarenergien zu setzen, auch wenn diese für Schleswig-Holstein besonders wichtig sind. Deshalb müsse das Land jetzt eine Strategie entwickeln, wie vor allem Erdgas künftig durch importierten, grünen Wasserstoff ersetzt werden kann. Dazu der Landesvorsitzende Dr. Christian von Boetticher: „Wenn wir Gas perspektivisch ersetzen wollen, werden wir um den Import von grünem Gas, also Wasserstoff, nicht herumkommen.“ Deshalb sollte das Land Lieferquellen für grünes Gas identifizieren, die Wind- und Solarstrom deutlich günstiger erzeugen können als hier. Strom aus Schleswig-Holstein sei zu wertvoll, um ihn in Wasserstoff umzuwandeln. Der Vorsitzende der Landesfachkommission Energiewirtschaft des Wirtschaftsrates, Prof. Dr. Stefan Liebing, dazu: „Das bedeutet, dass die Landesregierung beginnen muss, eine eigene Außenwirtschaftspolitik zu betreiben und mit diesen Ländern zu sprechen.“

 

Der Wirtschaftsrat sieht für Schleswig-Holstein das Potenzial, gemeinsam mit Hamburg zum führenden deutschen Wasserstoff-Hub zu werden. Dazu der Landesvorsitzende: „Unser Land kann mit seinem Standort Brunsbüttel Hauptumschlagplatz für grüne Energieimporte werden. Dazu müssen Landes- und Bundesregierung jetzt aber aktiv werden.“ Liebing ergänzt dazu: „Schleswig-Holstein hat viele Potentiale, für Lagerung, Umwandlung und Transport von Wasser-stoffprodukten neue Unternehmen anzusiedeln, die grüne Energie benötigen. Zudem können ansässige Firmen der erneuerbaren Energien bei der Entwicklung vom Bau und Betrieb von Wasserstoffanlagen im Ausland gewinnbringend mitwirken.“ Mit dem Industriecluster „Chemcoast Brunsbüttel“ und den bereits wachsenden Strukturen in der Umwandlung von Energieträgern bestünden beste Möglichkeiten, auch Arbeitsplätze und Projektentwicklung z.B. im Anlagenbau Elektrolyse und im Schiffbau zu schaffen.

 

Aus der Sicht des Wirtschaftsrates wird Wasserstoff in absehbarer Zukunft nicht en gros in reiner Form transportiert werden, sondern entweder als grünes Ammoniak, Methanol oder als „grünes LNG“. Ohne entsprechende Lager- und Handelsplätze für moderne Energieträger kann eine Energiewende in einem Industrieland nicht gelingen. Alternativ zum Elektromobil sollten regenerative Kraftstoffe Redundanz sicherstellen und den technologischen Wettbewerb offenhalten. Sonst hänge das Wohl und Wehe des Standortes am Strompreis, was angesichts der Abschaltung der Kernkraft und der technischen Probleme auch in den Nachbarländern mehr als riskant erscheint. Vor diesem Hintergrund rät der Wirtschaftsrat, in Brunsbüttel eine Energie-Import-Infrastruktur zu entwickeln, die neben dem Import von LNG (inbegriffen grünes LNG) auch den Import von grünem Wasserstoff in Form von Ammoniak und Methanol vorsieht.  

 

Kiel, den 13. Januar 2022